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Verspätete Abgabe von Steuererklärungen

Die Frist zur Abgabe der Steuererklärung rückt immer näher und Sie sind noch nicht so weit? Die Möglichkeiten der Finanzverwaltung Sie zu einer Abgabe zu bewegen, sind vielfältig. Wir zeigen Ihnen, was Sie tun können und mit welchen Konsequenzen Sie bei einer Nichtabgabe rechnen müssen.

Tipp: die Fristen zur Abgabe haben wir bereits erläutert:

Frist zur Abgabe der Steuererklärung 2018

So beantragen Sie eine Fristverlängerung

Haben Sie die Abgabe bis zum 31. Juli verschlafen, können Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Fristverlängerung einreichen. Möglich ist das mit einem formlosen Schreiben, zum Beispiel per Fax oder per E-Mail. Wichtig ist eine Begründung: Haben Sie eine längere Krankheit, fehlen Unterlagen oder müssen Sie kurzfristig umziehen, haben Sie beim Finanzamt gute Karten. Einen Anspruch auf Fristverlängerung haben Sie jedoch nicht. Auf die Kulanz des Finanzbeamten sollten Sie etwa nicht hoffen, wenn Sie in der Vergangenheit Steuererklärungen verspätet eingereicht oder Steuernachzahlungen unpünktlich überwiesen haben.

Wichtig: Beantragen Sie die Fristverlängerung nicht zu früh. Geben Sie zum Beispiel bereits im Februar an, dass Sie umziehen und deshalb die Steuererklärung zu spät abgeben werden, ist das unglaubwürdig und Sie dürfen mit einer Ablehnung seitens des Finanzamts rechnen. Übrigens: Ist der 31. Juli bereits verstrichen, kann das Finanzamt zwar Maßnahmen ergreifen. Trotzdem empfehlen wir Ihnen, eine Fristverlängerung zu beantragen. Denn eine nachträgliche Verlängerung der Frist kann Sie unter Umständen vor Zwangsgeld und Verspätungszuschlägen bewahren.

Ihre Fristverlängerung wurde abgelehnt

Lehnt das Finanzamt den Antrag ab und wird ungemütlich, reichen Sie Ihre Steuererklärung so schnell wie möglich ein, auch wenn Ihnen Belege fehlen. Erläutern Sie schriftlich, welche Angaben und Unterlagen fehlen und beantragen Sie, die Veranlagung in diesen Punkten vorläufig vorzunehmen. So haben Sie erst einmal alles getan, was Sie tun konnten. Es liegt nun am Finanzamt: Es wird nun entweder auf die fehlenden Belege warten oder Ihnen einen vorläufigen Steuerbescheid zusenden. Reichen Sie die Belege nach, wird der Steuerbescheid korrigiert.

Wie ein Steuerberater helfen kann

Haben Sie den Termin zur Abgabe Ihrer Steuererklärung verpasst, können Sie sich auch zu diesem Zeitpunkt immer noch “retten”, indem Sie einen Steuerberater beauftragen. In diesem Fall verlängert sich die Frist zur Abgabe automatisch um sieben Monate bis Februar des folgenden Jahres. Allerdings kann das Finanzamt auch den Steuerberater dazu auffordern, die Steuererklärung früher abzugeben. Dafür muss es aber einen Grund geben. Beispiele wären:

  • Sie waren mit vorangegangenen Steuererklärungen zu spät dran oder haben sie gar nicht abgegeben
  • Sie mussten in der Vergangenheit hohe Abschlusszahlungen leisten oder
  • die Arbeitslage der Finanzämter erfordert es

So streng reagiert das Finanzamt

Was aber, wenn Sie nun die Frist verpasst und auch keinen Antrag auf Fristverlängerungen gestellt haben? Dann kann das Finanzamt streng werden und Sie müssen – neben dem oben erwähnten Verspätungszuschlag – vom ersten Tag an mit weiteren Maßnahmen rechnen.

1. Erinnerung: Meistens erinnert das Finanzamt den Trödler an den Fristablauf und setzt eine neue Frist. Aber Vorsicht: Die neu gesetzte Frist bedeutet nur, dass das Finanzamt bis zu dieser Frist keine weiteren Schritte einleiten wird. Ihre Steuererklärung ist bereits zu spät – und es kann Verspätungszuschläge geben.

2. Zwangsgeld: Reagieren Sie nicht, wird das Finanzamt Ihnen ein Zwangsgeld androhen. Dieses kann theoretisch bis zu 25.000 Euro betragen – es wird aber nur in Extremfällen so hoch ausfallen. Nach der Androhung folgt die Festsetzung und schließlich die Vollstreckung – in der Regel durch Kontenpfändung. Wenn Sie jetzt beim Finanzamt weiter auf Durchzug schalten, könnte das alles von vorne beginnen: Neue Zwangsgeldandrohung, Festsetzung und Pfändung. Ignorieren ist also in keinem Fall eine gute Idee.

Tipp: Vermeiden Sie solche Situationen und reichen Sie Ihre Steuererklärung umgehend ein. Denn sobald Sie Ihre Steuererklärung eingereicht haben, darf das Finanzamt keine Zwangsmittel mehr durchsetzen. Das gilt selbst dann, wenn das Zwangsgeld bereits festgesetzt wurde und der Vollstreckungsbeamte vor Ihrer Tür steht.

3. Steuerschätzung: Liegt keine Steuererklärung vor, kann das Finanzamt Ihre Steuer schätzen. Dazu erhalten Sie einen Steuerbescheid mit einem entsprechenden Hinweis auf die Schätzung. Darauf sollten Sie es aber nicht ankommen lassen: Natürlich wird die geschätzte Steuer nicht zu Ihren Gunsten ausfallen.

Wichtig: Wird ein Steuerschätzbescheid erlassen, sind Sie weiterhin verpflichtet, die Steuererklärung abzugeben. Das Finanzamt kann also einen Schätzbescheid erlassen und weiterhin Zwangsmittel einsetzen.

4. Verspätungszuschlag: Es droht ein Verspätungszuschlag von mindestens 25 Euro pro vertrödeltem Monat (s.o.). Die oben genannten Maßnahmen erfolgen nicht immer in dieser Reihenfolge. Das Finanzamt kann auch direkt Zwangsgelder androhen oder Ihre Steuer schätzen. Auch kann das Finanzamt bei verspäteter Abgabe der Steuererklärung einen Verspätungszuschlag festsetzen, selbst wenn Sie zuvor nie ein Schreiben vom Finanzamt erhalten haben.

Keine Fristverlängerung bei freiwilliger Abgabe der Steuererklärung

Wie bereits erwähnt, müssen Arbeitnehmer in der Regel keine Steuererklärung abgeben. Aber selbst, wenn keine Steuererklärung eingereicht werden muss, kann sich die freiwillige Abgabe lohnen. Oft winkt dem Steuerzahler eine ordentliche Erstattung.

Tipp: Prüfen Sie, ob sich die Abgabe einer Steuererklärung für Sie lohnt. Es gibt auch für Arbeitnehmer viele Möglichkeiten, Steuern zu sparen. Für die freiwillige Steuererklärung haben Sie vier Jahre Zeit. Nach Ablauf der vier Jahre ist aber Schluss: Eine Fristverlängerung gibt es bei der freiwilligen Abgabe nicht. Das heißt, entweder Sie geben pünktlich ab oder Sie haben Ihre Chancen auf Steuererstattung vertan.