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Ist die Weiterveräußerung von Eintrittskarten steuerpflichtig?

21. April 2020

Champions League-Tickets können als „andere Wirtschaftsgüter“ zu privaten Veräußerungsgeschäften i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 EStG führen und bei einer Weiterveräußerung eine Steuerpflicht auslösen.

Für das UEFA Champions League Finale 2015 in Berlin hat ein Fußballfan über die offizielle UEFA-Webseite im April 2015 zwei Fußballtickets zugesprochen bekommen, für die er insgesamt € 330 bezahlte. Obwohl ursprünglich ein Besuch des Fußballspiels mit seinem Sohn geplant war, entschloss er sich, die Tickets schließlich doch weiterzuverkaufen. Über eine Ticketplattform erzielte er einen (wohl nicht gerechtfertigten, da schließlich nicht der SSV Jahn Regensburg im Finale stand :-)) Verkaufspreis in Höhe von € 2.907.

Im Einkommensteuerbescheid 2015 berücksichtigte das Finanzamt sonstige Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften nach § 22 Nr. 2 i.V.m. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG in Höhe von € 2.577.

Das Finanzgericht gab der Klage statt. Es sah die Karten als Wertpapiere an, deren Besteuerung in § 20 Abs. 2 EStG abschließend geregelt ist. Einen Besteuerungstatbestand im Sinne von § 20 Abs. 2 EStG sah das Finanzgericht jedoch nicht.

Entscheidung: Die Weiterveräußerung von Tickets ist als privates Veräußerungsgeschäft steuerbar.

Der Bundesfinanzhof (BFH) widersprach dem Finanzgericht. Zwar sind die Tickets Wertpapiere, jedoch keine Kapitalanlagen im Sinne von § 20 Abs. 2 EStG. Der Bundesfinanzhof hob das Urteil des Finanzgerichts auf und wies die Klage ab.

BFH ist der Meinung, dass Tickets zwar Wertpapiere, aber keine Kapitalanlage i.S.v. § 20 Abs. 2 EStG sind.

Sollte bereits mit der Vorlage eines Tickets das Recht auf den Besuch eines Stadions geltend gemacht werden können, handelt es sich dabei um ein kleines Inhaberpapier (definiert in den §§ 807, 797 BGB). Wäre das Ticket personalisiert, läge ein qualifiziertes Legitimationspapier (§ 808 BGB) vor. Die zivilrechtliche Betrachtungsweise führt somit zu der Annahme eines Wertpapiers. Unabhängig von der steuerrechtlichen Auffassung des Begriffs „Wertpapier“ erfüllen die Tickets nicht die Merkmale einer Kapitalanlage im Sinne des § 20 Abs. 1 und Abs. 2 EStG. Vor allem sind sie keine Kapitalforderungen im Sinne des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 i.V.m. Abs. 1 Nr. 7 EStG. Als „Kapitalforderungen“ sind alle auf eine Geldleistung gerichteten Forderungen zu verstehen, deren Steuerbarkeit sich nicht bereits aus einem anderen Tatbestand im Sinne des § 20 Abs. 1 Nr. 1 bis 6 oder 8 bis 11 EStG ergibt. Insbesondere erfasst dieser Begriff nicht die Ansprüche aus der Lieferung anderer Wirtschaftsgüter. Die (Fußball-)Tickets zielen in erster Linie auf die Ermöglichung des Stadionbesuchs ab.

Wird die Veräußerung von Wertpapieren nicht nach § 20 EStG erfasst, kann sie von § 23 EStG erfasst werden.

Ob die Tickets (obwohl zivilrechtlich als Wertpapiere definiert) auch steuerrechtlich „Wertpapiere“ darstellen, kann dahingestellt bleiben. Selbst, wenn dies der Fall sein sollte, werden von § 23 EStG Einkünfte aus der Veräußerung von Wertpapieren erfasst, soweit diese (wie im vorliegenden Fall) nicht zu Einkünften im Sinne von § 20 EStG führen. Der BFH teilt nicht die Gegenansicht, wonach die Besteuerung aus Wertpapieren seit dem UntStRefG 2008 abschließend in § 20 EStG geregelt sei. Weder aus dem Gesetzeswortlaut noch den Gesetzesmaterialien ergeben sich Anhaltspunkte, dass Wertpapiere vom Geltungsbereich des § 23 EStG Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 EStG grundsätzlich nicht erfasst werden sollen bzw. dass die Besteuerung der Wertpapiere abschließend in § 20 EStG geregelt sein soll.

Eintrittskarten sind keine Gegenstände des täglichen Gebrauchs.

Unter „Gegenstände des täglichen Gebrauchs“ fallen Gebrauchsgegenstände, die dem Wertverzehr unterliegen und/oder kein Wertsteigerungspotential haben. Darunter sind Gegenstände zu verstehen, die regelmäßig mit dem Ziel der Nutzung und nicht mit dem Ziel der zeitnahen gewinnbringenden Veräußerung angeschafft werden. Somit sind auch die veräußerten Tickets keine Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Den Verkaufspreis betrachtet, wiesen sie ein (deutliches) Wertsteigerungspotential auf und waren nicht zum regelmäßigen Gebrauch oder zumindest einer mehrmaligen Nutzung geeignet.

Hinweis: Keine verfassungsrechtlichen Bedenken.

Nach Meinung des Finanzgerichts sei die Besteuerung wegen eines strukturellen Vollzugsdefizits verfassungswidrig. Diese Auffassung teilte der BFH nicht. Bereits für 1999 besteht lt. dem Bundesverfassungsgericht kein strukturelles Vollzugsdefizit, welches dem Gesetzgeber zugerechnet werden kann (BVerfG v. 10.1.2008, 2 BvR 294/06, BFH/NV 2008, Beilage 2, 161). Ebenso reicht zur Begründung eines Vollzugsdefizits eine anonyme Veräußerung zwischen den Partnern nicht aus. Unter bestimmten Voraussetzungen können Finanzämter die erforderlichen Auskünfte auch bei Internethandelsplattformen einholen (z.B. im Rahmen eines Sammelauskunftsersuchens).

Bei wiederholte und unter Umständen auch schon einmaliger (soweit Wiederholungsabsicht gegeben) Veräußerung, liegt Gewerblichkeit vor. Der Veräußerungsgewinn ist somit nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 EStG zu erfassen.

Das Urteil vom 29.10.2019, IX R 10/18 wurde am 02.04.2020 veröffentlicht.


Bei Fragen zu diesem oder anderen Themen stehen wir Ihnen jederzeit sehr gerne zur Verfügung.

– Rebecca und Michael Komma –

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