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Corona und Kosten für häusliches Arbeitszimmer

16. April 2020

Aufgrund der verhängten Maßnahmen im Kampf gegen Corona sind viele Arbeitnehmer gezwungen, zu Hause zu arbeiten. Der vom Gesetz geforderte „andere Arbeitsplatz“ steht aus Gründen des Infektionsschutzes nicht zur Verfügung. Wird somit ein häusliches Arbeitszimmer begründet, für welches die Aufwendungen unbegrenzt abziehbar sind?

Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer

Im Rahmen der Einkommensteuererklärung können Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer in voller Höhe abgezogen werden, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen darstellt (§ 4 Abs. 5 Nr. 6b Satz 3 2. HS EStG). Das häusliche Arbeitszimmer ist dann der Mittelpunkt der Tätigkeit, „wenn nach Würdigung des Gesamtbildes der Verhältnisse und der Tätigkeitsmerkmale dort diejenigen Handlungen vorgenommen und Leistungen erbracht werden, die für die konkret ausgeübte betriebliche oder berufliche Tätigkeit wesentlich und prägend sind.“ In normalen Zeiten stehen den Arbeitnehmern meist Büroräume – und somit den Mittelpunkt der Tätigkeit – bei Ihrem Arbeitgeber. Derzeit ist es jedoch anders, da viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ganz oder teilweise im Home-Office arbeiten.

Kein anderer Arbeitsplatz

Steht den Mitarbeitern kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung und sind Sie deshalb ausschließlich am Heimarbeitsplatz tätig, befindet sich hier der Mittelpunkt der beruflichen und betrieblichen Tätigkeit. Dies führt zur vollständigen Abzugsfähigkeit der damit zusammenhängenden Kosten. Werden Mitarbeiter qualitativ in gleicher Weise sowohl am Heimarbeitsplatz als auch im Betrieb tätig, ist die zeitliche (quantitative) Komponente ausschlaggebend. Wird die Arbeitszeit überwiegend (= 3 bis 5 Tage pro Woche) im häuslichen Arbeitszimmer verbracht, befindet sich hier der Mittelpunkt der beruflichen und betrieblichen Tätigkeit und die Kosten sind voll abzugsfähig. Darauf, dass unter Umständen im Büro auch ein anderer (weiterer) Arbeitsplatz zur Verfügung steht, kommt es vorliegend nicht an.

Zeitliche Komponente

Ist der Mitarbeiter nur ein bis zwei Tage wöchentlich im Home-Office tätig, führt dies zu einer quantitativ überwiegenden Tätigkeit im Büro des Arbeitgebers. Befindet sich der Mittelpunkt der betrieblichen und beruflichen Tätigkeit außerhalb des häuslichen Arbeitszimmers, können Kosten in Höhe von maximal € 1.250 abgezogen werden – wenn dem Arbeitnehmer an den betroffenen Tagen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (§ 4 Abs. 5 Nr. 6b Satz 2 und Satz 3 1. HS EStG). Aufgrund der Corona-Pandemie ist diese Voraussetzung derzeit vielfach erfüllt, da viele Arbeitgeber Ihre Arbeitsplätze aufgrund des Infektionsschutzgesetzes nicht zur Verfügung stellen.

Höhe der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer für begrenzten Zeitraum

Auch in unserer Steuerkanzlei in Regensburg hoffen wir, dass die derzeitige Situation schnell ein Ende findet. Hinsichtlich der Abzugsfähigkeit der Kosten für das häusliche Arbeitszimmer bedeutet dies aber unter Umständen eine nicht ganzjährige Nutzung. Kommt es zu einer Änderung der Nutzungsverhältnisse innerhalb eines Jahres, können nur die auf den Zeitraum, in dem das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der Tätigkeit bildet, entfallende Aufwendungen vollständig berücksichtigt werden. Ein beschränkter Abzug für den übrigen Zeitraum kommt nur dann in Betracht, wenn für die betriebliche oder berufliche Betätigung kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt wurde. Jedoch kann der Höchstbetrag von € 1.250 auch bei einer nicht ganzjähriger Nutzung eines häuslichen Arbeitszimmers abgezogen werden (BMF, Schreiben v. 6.10.2017, IV C 6 – S 2145/07/10002 :019, Rz. 22).

Bürokostenzuschüsse der Arbeitgebers

Werden durch den Arbeitgeber Zuschüsse an Mitarbeiter ausbezahlt, um z.B. die zusätzlichen Kosten der Büronutzung zu Hause zu kompensieren, handelt es sich hierbei grundsätzlich um steuerpflichtigen Arbeitslohn. Jedoch setzt die Anerkennung eines Mietverhältnisses (zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber) voraus, dass das häusliche Arbeitszimmer vorrangig im betrieblichen Interesse des Arbeitsgebers genutzt wird. In „normalen“ Zeiten ist dies durchaus schwierig, da die Finanzverwaltung hohe Anforderungen stellt (BMF, Schreiben v. 18.4.2019, IV C 1 – S 2211/16/10003 :005). Diese Anforderungen könnten jetzt zunehmend erfüllt sein, da den Mitarbeitern im Betrieb kein geeigneter Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt wird. Wir ein solches Mietverhältnis anerkannt, erzielt der Mitarbeiter Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Diese Mieteinnahmen müssen versteuert werden, im Gegenzug sind jedoch alle Ausgaben zum Abzug zugelassen. Eine Beschränkung gibt es hierbei nicht.

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Bei Fragen zu diesem oder anderen Themen stehen wir Ihnen jederzeit sehr gerne zur Verfügung.

– Rebecca und Michael Komma –

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